Eine Tradition geht zu Ende ...
Berufliche Schulen gibt es in Hamburg seit 1865. Die Staatliche Gewerbeschule Werft und Hafen, die G7 ist eine der ältesten. Sie besteht bereits seit 1870 und wurde in den Anfängen vom St. Pauli-Gewerbeverein, vom St. Pauli Malerverein und von Privatpersonen unterhalten.
1935 ist die G7 als „Gewerbliche Berufsschule für Schiffbauer-, Bootsbauer-, Schiffszimmerer- und Segelmacherlehrlinge, für Decksjungen, Ewerführer und Quartiersleute und männliche Jungarbeiter" anerkannt worden.
So gesehen ist der traditionelle Name „Gewerbeschule Werft und Hafen" aus dieser Geschichte zu sehen. In den Jahrzehnten nach 1945 wuchs die Schülerzahl bis zum Ende der 60er Jahre kontinuierlich an, der Wiederaufbau erforderte viele handwerklich ausgebildete Fachkräfte.
So besuchten 1952 insgesamt 314 zukünftige Bootsbauer und Schiffszimmerer die Schule; 1954 standen 44 Segelmacher in der Ausbildung; 1958 wollten 720 Lehrlinge Schiffbauer werden.
Es hat sich schon seit einiger Zeit angedeutet, jetzt macht sich der Strukturwandel in Hamburg weg vom produzierenden Gewerbe hin zum Dienstleistungssektor auch in der Ausrichtung der G7 bemerkbar. Wir verzeichnen einen enormen Zuwachs in der „gewerbliche Logistik", aber einen Verlust bei den Konstruktionsmechanikern und Bootsbauern.
Nachdem schon im Sommer die Entscheidung fiel, die wenigen verbliebenen Konstruktionsmechaniker (7 im 1. Lehrjahr) an eine andere Metallschule zu geben musste jetzt auch für den Bootsbau die Konsequenz gezogen werden: Nach der Gesellenprüfung im Winter verbleiben uns noch 6 Auszubildende in drei Lehrjahren, davon sind zwei Gastschüler aus Niedersachsen. Damit ist eine verantwortliche Unterrichtsversorgung nicht mehr gewährleistet.
So mussten wir den schweren Entschluss fassen, ab dem 1.2.2012 die letzten Lehrlinge nach Travemünde und Brake zu verweisen.
Damit geht auch für mich eine 34jährige Zusammenarbeit mit der Bootsbauer-Innung Hamburg zu Ende, die mit Praktika bei Peter Fuhlendorff, Claus Schmidt und Karl Feltz begann. 32 Jahre bin ich im Gesellen-Prüfungsausschuss tätig. Generationen von Lehrlingen sind an mir vorbeigezogen, zu vielen habe ich noch heute Kontakt, einige sind inzwischen selbst Betriebsinhaber oder Ausbilder, die meisten aber nicht im erlernten Beruf tätig.
Vier Referendare habe ich ausgebildet, Werner Feyerabend und Matthias Krüger sind in Travemünde tätig, Rolf Thiele und Christoph Preissner an der G7.
Ende Januar wollen Rolf Thiele und ich uns gerne mit ehemaligen Lehrlingen und Kollegen des Bootsbauer- und Schiffbauer-Handwerks zu einem Abschied treffen. Für nähere Informationen bitte ich um eine kurze Nachricht an j.schwieger@g7hh.de.
Wir wünschen der Bootsbauer-Innung Hamburg und dem DBSV weiterhin gute Fahrt und eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.
Jens Schwieger
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